Vom Telegramm zum Same-Day: Die Geschichte des Blumenversands

Zuletzt aktualisiert: Juli 2026

Blumen online bestellen und noch am selben Tag liefern lassen — fühlt sich modern an, ist aber eine Idee mit über 100 Jahren Geschichte. Sie beginnt 1908 in einem Berliner Blumenladen, führt über Telegramme, die größte Blumenauktion der Welt und einen von Floristen erfundenen Feiertag bis zur heutigen Same-Day-Lieferung. Die ganze Reise im Überblick:

1593
Die Tulpe kommt nach Holland

Botaniker Carolus Clusius pflanzt Tulpen im Hortus Botanicus von Leiden — nachts werden ihm Zwiebeln gestohlen. Mit ihnen beginnt der niederländische Blumenhandel.

1637
Die Tulpenmanie platzt

Auf dem Höhepunkt kostet eine Zwiebel mehr als ein Grachtenhaus, dann kollabiert der Markt in Tagen — die erste Spekulationsblase der Geschichte.

1819
Blumen lernen sprechen

Charlotte de la Tours „Le langage des fleurs“ macht die Blumensprache zum europäischen Gesellschaftsphänomen — jede Blume wird zur Botschaft — die wahre Geschichte der Floriographie.

1908
Berlin: Die Geburt des Blumenversands 🌸

Der Berliner Florist Max Hübner gründet die „Blumenspenden-Vermittlung“ mit einer genial einfachen Idee: „Die Bestellung soll reisen, nicht die Blumen!“ Ein Florist nimmt die Bestellung an, ein Kollege am Zielort bindet und liefert frisch. 98 Blumengeschäfte machen im ersten Jahr mit.

1908
Der erste Muttertag

Zeitgleich setzt Anna Jarvis in den USA den ersten offiziellen Muttertag durch — später kämpft sie vergeblich gegen dessen Kommerzialisierung.

1910
Amerika zieht nach: FTD

US-Floristen gründen die „Florists‘ Telegraph Delivery“ — Blumengrüße per Telegramm über den Kontinent.

1911/12
Aalsmeer: Die Blumenbörse entsteht

In Aalsmeer starten zwei Blumenauktionen (Bloemenlust, Ende 1911; Centrale Aalsmeerse Veiling, 5. Januar 1912). Aus ihnen wird — nach Fusionen 1968 und 2007 — Royal FloraHolland, bis heute die größte Blumenauktion der Welt.

1923
Floristen bringen den Muttertag nach Deutschland

Der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber ruft den ersten deutschen Muttertag aus (13. Mai 1923) — mit Schaufenster-Plakaten „Ehret die Mutter“. Der wichtigste Blumentag des Jahres ist eine Erfindung der Blumenbranche selbst.

1927
Aus der Idee wird Fleurop

In Zürich schließen sich 3.064 Floristen aus fünf Ländern zur internationalen Organisation zusammen — der Name: Fleurop, von „Flores Europae“, die Blumen Europas. Bis heute aktiv.

1946
Ein weltweites Netz

In Kopenhagen verbinden sich Fleurop (Kontinentaleuropa), Interflora (Großbritannien & Commonwealth) und FTD (Amerika) zum globalen Blumengruß-Verbund.

ab 1970
Die Blume wird zum Weltprodukt

Luftfracht und Kühlkette verlagern den Anbau in den Süden: erst Kolumbien, später Kenia und Ecuador. Eine Rose reist heute oft tausende Kilometer — was das bedeutet: Nachhaltige Blumen.

ab 1995
Blumen gehen online

Aus Telefon- und Fax-Bestellungen werden Webshops. Der Blumenversand per Versandbox direkt vom Großhandel entsteht — die Grundlage des heutigen Anbieter-Markts.

ab 2013
Briefkasten & Abo

Letterbox-Blumen (flach durch den Briefschlitz) und Blumen-Abos drehen Hübners Prinzip um: Jetzt reist wieder die Blume — als lose Stiele in der Box.

Heute
Same-Day bis 16:30 Uhr

Wer heute bis zum frühen Nachmittag bestellt, bekommt den Strauß noch am selben Tag geliefert — welcher Anbieter das am besten kann, zeigt unser großer Vergleich.

Die schönste Pointe der Geschichte

Max Hübners Grundsatz von 1908 — die Bestellung reist, nicht die Blume — war 100 Jahre lang das Erfolgsrezept: Gebunden wird beim Floristen vor Ort, die Blume bleibt frisch. Ausgerechnet die modernsten Anbieter drehen das Prinzip heute wieder um: Bei Letterbox- und Box-Versendern reist die Blume selbst, gekühlt und knospig verpackt. Beide Wege haben ihre Stärken — welcher wann gewinnt, zeigen unsere Tests mit echten Bestellungen.

Häufige Fragen

❓ Seit wann kann man Blumen verschicken lassen?
Seit 1908: Der Berliner Florist Max Hübner gründete die „Blumenspenden-Vermittlung“ — Floristen leiteten Bestellungen untereinander weiter, geliefert wurde frisch vom Kollegen am Zielort. Daraus wurde 1927 Fleurop.
❓ Was bedeutet der Name Fleurop?
Fleurop steht für „Flores Europae“ — die Blumen Europas. Der Name entstand 1927, als sich in Zürich über 3.000 Floristen aus fünf Ländern zusammenschlossen.
❓ Wer hat den Muttertag nach Deutschland gebracht?
Der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber — er rief 1923 den ersten deutschen Muttertag aus (nach der US-Idee von Anna Jarvis, 1908). Der größte Blumen-Anlass des Jahres ist also eine Erfindung der Blumenbranche.
❓ Was ist die größte Blumenauktion der Welt?
Royal FloraHolland in Aalsmeer bei Amsterdam, hervorgegangen aus zwei 1911/1912 gegründeten Auktionen. Ein Großteil des europäischen Schnittblumenhandels läuft bis heute über die niederländischen Auktionsuhren.

Stand: Juli 2026 | Quellen: Unternehmensgeschichte Fleurop/Interflora (Max Hübner 1908, Fleurop-Gründung Zürich 1927, Weltverbund 1946), Royal FloraHolland/Gemeinde Aalsmeer (Auktionsgründungen 1911/12), Wikipedia/LWL zur Einführung des deutschen Muttertags 1923.

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