Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
Blumen online bestellen und noch am selben Tag liefern lassen — fühlt sich modern an, ist aber eine Idee mit über 100 Jahren Geschichte. Sie beginnt 1908 in einem Berliner Blumenladen, führt über Telegramme, die größte Blumenauktion der Welt und einen von Floristen erfundenen Feiertag bis zur heutigen Same-Day-Lieferung. Die ganze Reise im Überblick:
Botaniker Carolus Clusius pflanzt Tulpen im Hortus Botanicus von Leiden — nachts werden ihm Zwiebeln gestohlen. Mit ihnen beginnt der niederländische Blumenhandel.
Auf dem Höhepunkt kostet eine Zwiebel mehr als ein Grachtenhaus, dann kollabiert der Markt in Tagen — die erste Spekulationsblase der Geschichte.
Charlotte de la Tours „Le langage des fleurs“ macht die Blumensprache zum europäischen Gesellschaftsphänomen — jede Blume wird zur Botschaft — die wahre Geschichte der Floriographie.
Der Berliner Florist Max Hübner gründet die „Blumenspenden-Vermittlung“ mit einer genial einfachen Idee: „Die Bestellung soll reisen, nicht die Blumen!“ Ein Florist nimmt die Bestellung an, ein Kollege am Zielort bindet und liefert frisch. 98 Blumengeschäfte machen im ersten Jahr mit.
Zeitgleich setzt Anna Jarvis in den USA den ersten offiziellen Muttertag durch — später kämpft sie vergeblich gegen dessen Kommerzialisierung.
US-Floristen gründen die „Florists‘ Telegraph Delivery“ — Blumengrüße per Telegramm über den Kontinent.
In Aalsmeer starten zwei Blumenauktionen (Bloemenlust, Ende 1911; Centrale Aalsmeerse Veiling, 5. Januar 1912). Aus ihnen wird — nach Fusionen 1968 und 2007 — Royal FloraHolland, bis heute die größte Blumenauktion der Welt.
Der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber ruft den ersten deutschen Muttertag aus (13. Mai 1923) — mit Schaufenster-Plakaten „Ehret die Mutter“. Der wichtigste Blumentag des Jahres ist eine Erfindung der Blumenbranche selbst.
In Zürich schließen sich 3.064 Floristen aus fünf Ländern zur internationalen Organisation zusammen — der Name: Fleurop, von „Flores Europae“, die Blumen Europas. Bis heute aktiv.
In Kopenhagen verbinden sich Fleurop (Kontinentaleuropa), Interflora (Großbritannien & Commonwealth) und FTD (Amerika) zum globalen Blumengruß-Verbund.
Luftfracht und Kühlkette verlagern den Anbau in den Süden: erst Kolumbien, später Kenia und Ecuador. Eine Rose reist heute oft tausende Kilometer — was das bedeutet: Nachhaltige Blumen.
Aus Telefon- und Fax-Bestellungen werden Webshops. Der Blumenversand per Versandbox direkt vom Großhandel entsteht — die Grundlage des heutigen Anbieter-Markts.
Letterbox-Blumen (flach durch den Briefschlitz) und Blumen-Abos drehen Hübners Prinzip um: Jetzt reist wieder die Blume — als lose Stiele in der Box.
Wer heute bis zum frühen Nachmittag bestellt, bekommt den Strauß noch am selben Tag geliefert — welcher Anbieter das am besten kann, zeigt unser großer Vergleich.
Die schönste Pointe der Geschichte
Max Hübners Grundsatz von 1908 — die Bestellung reist, nicht die Blume — war 100 Jahre lang das Erfolgsrezept: Gebunden wird beim Floristen vor Ort, die Blume bleibt frisch. Ausgerechnet die modernsten Anbieter drehen das Prinzip heute wieder um: Bei Letterbox- und Box-Versendern reist die Blume selbst, gekühlt und knospig verpackt. Beide Wege haben ihre Stärken — welcher wann gewinnt, zeigen unsere Tests mit echten Bestellungen.
Häufige Fragen
❓ Seit wann kann man Blumen verschicken lassen?▾
❓ Was bedeutet der Name Fleurop?▾
❓ Wer hat den Muttertag nach Deutschland gebracht?▾
❓ Was ist die größte Blumenauktion der Welt?▾
Stand: Juli 2026 | Quellen: Unternehmensgeschichte Fleurop/Interflora (Max Hübner 1908, Fleurop-Gründung Zürich 1927, Weltverbund 1946), Royal FloraHolland/Gemeinde Aalsmeer (Auktionsgründungen 1911/12), Wikipedia/LWL zur Einführung des deutschen Muttertags 1923.
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